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NEWS & ARCHIV

 

16.01.2019

Neuregelung zur Organspende: Bundestag hat Zustimmungslösung beschlossen

Organspende setzt auch weiterhin Zustimmung voraus - Für mehr Spendenbereitschaft sollen Informations- und Organisationsstrukturen verbessert werden

Der Bundestag hat heute die Neuregelung zur Organspende beschlossen. Nach einer mehrstündigen emotional geführten Debatte entschied sich die Mehrheit auch weiterhin für die bisherige Zustimmungslösung, die jedoch künftig mehr Information und Beratung vorsieht.

Die doppelte Widerspruchslösung, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seinem Gesetzesentwurf vorsah, um die Spenderzahlen zu erhöhen und bei der alle Bürgerinnnen und Bürger als Spender gelten sollten, sofern sie nicht zu Lebzeiten widersprochen haben, fand keinen mehrheitlichen Zuspruch. Schweigen könne nicht als Zustimmung gewertet werden und so sah man vor allem diejenigen in Gefahr, die nicht fähig oder denen es nicht möglich ist, eine Entscheidung darüber treffen zu können, wie z. B. Obdachlose, Behinderte, psychsich Erkrankte, Analphabeten, 

Mit dem nun beschlossenen Gesetzentwurf zur Zustimmungsregelung bleibt somit alles wie gehabt, allerdings soll die Entscheidungsbereitschaft durch regelmäßige Information, Befragung und Beratung verbessert werden. Der Entwurf sieht vor, dass alle Bürgerinnen und Bürger alle zehn Jahre in Bürgerämtern bei Ausweiserneuerungen auf das Thema Organspende angesprochen werden. Zudem sollen Hausärzte ihre Patienten regelmäßig informieren und ein Onlineregister eingeführt werden, bei dem sich jeder Spender freiwillig registrieren kann. Auf das Onlineregister sollen dann künftig Krankenhäuser und Ärzte schnell zugreifen können.

Der gute alte Organspendeausweis hat auch weiterhin Bestand. Wer viel reist, sollte immer auch eine Version seines Organspendeausweises in der jeweiligen Landessprache oder zumnidest in englischer Sprache bei sich tragen. Dies gilt besonders für die, die sich gegen eine Organspende aussprechen. Jedes Land hat eigene gesetzliche Regelungen zur Organspende.; in Österreich bspw. die Widerspruchslösung. Was viele nicht wissen: Verstirbt eine Person im Ausland, so greift die Regelung des jeweiligen Landes, und nicht die des Heimatlandes.

01.12.2019

Medikamentenabhängigkeit - Die unbemerkte Sucht

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen macht auf Zahlen und Gefahren des Medikamentenmissbrauchs aufmerksam - Bundesärztekammer  informiert Hausärzte

Mindestens 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig. Davon betroffen seien rund eine Millionen Frauen, wobei die Dunkelziffer noch weitaus höher sein könnte, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. Übermäßiger Medikamentenkonsum bei Betroffenen bleibt im familiären Umfeld oft und lange unbemerkt. Mitunter sind sich die Betroffenen selbst einer bereits bestehenden Abhängigkeit oder des Abhängigkeitspotenzials und damit verbundener Auswirkungen der ihnen verschriebenen oder frei verkäuflicher Arzneien nicht bewusst. Ärzte verschreiben ihren Patienten zwar in guter Absicht Medikamente, ohne aber über deren mögliche Abhängigkeitsgefahren ausreichend aufzuklären. Suchtexperten verweisen auf Untersuchungen, wonach im Durchschnitt 7 Prozent der Patienten Medikamente mit Suchtpotenzial über einen zu langen Zeitraum von Allgemeinärzten und Internisten verordnet bekämen, so dass bei diesen Patienten eine Abhängigkeit sehr wahrscheinlich sei. Daher empfiehlt die Hauptstelle für Suchtfragen ( DHS) e.V jedem Patienten, gezielt beim Arzt oder Apotheker nachzufragen, ob verordnete oder auch bestimmte freiverkäufliche Medikamente Suchtpotenzial aufweisen könnten. Das fängt bei Nasen- und Asthmaspray an und hört bei Schmerz- und Schlafmedikamenten auf. Vor allem von Benzodiazepinen oder benzodiazepinhaltigen Präparaten, die bei Schlafbeschwerden verordnet werden, wären Schätzungen zufolge allein in dieser Medikamentengruppe 1,1 Millionen Menschen dauerhaft abhängig . In der Tumortherapie sind Schmerzmittel für Patienten unverzichtbar. Allerdings würden u.a. auch bei Rückenschmerzen zu häufig und zu lange Schmerzmedikamente verordnet, die schnell in einen Abhängigkeitskreislauf münden, so Suchtexperten.

20.11.2019

MEDICA - weltweit größte Medizinmesse

in Düsseldorf

Neuheiten für eine moderne, patientengerechte Versorgung

Derzeit findet in Düsseldorf die weltweit größte Medizinmesse statt. Vom 18.bis 21. 11. 2019 trifft sich die ganze Welt der Medizin und Gesundheitswirtschaft, um sich zu Neuheiten und innovativen Entwicklungen und Angeboten in der ambulanten und klinischen Versorgung zu infomieren.  Mit einer Spitzenbeteiligung von gut 5.500 Ausstellern aus 69 Nationen stellt die MEDICA die weltgrößte und führende Medizinmesse dar, zu der in diesem Jahr Fachbesucher aus 170 Nationen erwartet werden. „Dreiviertel der von den Ausstellern gebuchten Fläche entfällt auf internationale Beteiligungen. Die stärksten Flächenbuchungen kommen nach Deutschland aus China, Italien, den USA, Südkorea und dann bereits aus der Türkei, gefolgt von Frankreich und Großbritannien“, erklärt Horst Giesen, Global Portfolio Director Health & Medical Technologies der Messe Düsseldorf.

Top-Thema sei und bleibe auch auf der diesjährigen MEDICA die Digitalisierung von Prozessen in der Gesundheitsversorgung unter direktem Einbezug des Patienten. Dieser vorherrschende Trend wird bei der MEDICA 2019 nicht nur durch die Neuheiten der Aussteller thematisiert, sondern spiegle sich auch in den Programmen der begleitenden Konferenzen und Foren wieder. Im Rahmen der MEDICA findet u.a. auch der 42. Deutsche Krankenhaustag statt, zudem das MEDICA HEALTH IT FORUM, das IT-Themen wie Big Data, Künstliche Intelligenz oder Cyber Securitiy beinhaltet, das MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM mit Hard- und Software-Lösungen für eine vernetzte Gesundheitsfürsorge oder etwa auch die  MEDICA MEDICINE & SPORTS CONFERENCE, die u. a. den Einsatz körpernah eingesetzter Applikationen und Wearables für das Vital-Monitoring aufgreift.  Weitere Informationen unter www.medica.de
 

Quelle:PM medica

19.11.2019

Palliativ- und Intensivmedizin

zum Wohle des Patienten

Palliativmedizin zum Wohle des Patienten - Sehr komplex und nicht immer einfach für Behandlungsteams

Die Palliativmedizin widmet sich der aktiven und ganzheitlichen Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht mehr heilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Auch die Begleitung und Unterstützung von Angehörigen dieser Patienten gehört dabei zu den Aufgaben der palliativen Versorgung. "Palliativ" bedeutet so viel wie "mit einem Mantel umhüllt", "beschützt". Die Palliativmedizin bejaht das Leben, versteht und begleitet das Sterben als einen natürlichen Prozess und lehnt die aktive Sterbehilfe ab. In der Palliativmedizin geht es in erster Linie darum, Schmerzen und Ängste von Schwerstkranken zu lindern, psychische und soziale Probleme in Zusammenhang mit der Erkrankung zu mindern, das subjektive Wohlbefinden und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Dafür ist ein interdisziplinäres speziell ausgebildetes Behandlungsteam erforderlich bestehend aus Ärzten, Pflegepersonal, Psychologen, Sozialarbeitern, Seelsorgern und Therapeuten. Bei der Behandlung ist die Berücksichtigung des Patientenwillens  von zentraler Bedeutung. Hierbei muss nicht selten auch von Palliativmedizinern der vom Patienten gewünschte Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen berücksichtigt werden, was im Übrigen unter die passive Sterbehilfe fällt , ebenso wie der vom Patienten geäußerte Wunsch nach Schmerzmitteln, die u. U. auch eine Verkürzung der Lebenszeit für den Patienten zur Folge haben können und der indirekten Sterbehilfe zuzuordnen ist. Insofern sind passive und indirekte Sterbehilfe durchaus auch in der Palliativmedizin gängige Praxis und nicht immer leicht für die Behandlungsteams händelbar. Denn diese sind einerseits angehalten, den Wunsch des Patienten zu respektieren, selbst wenn dieser freiwillig auf bestimmte Maßnahmen (z. B. Essen und Trinken) verzichten möchte. Dies ist für palliative Behandlungsteams schwer mit ihrem grundsätzlich lebensbejahenden Berufsethos  vereinbar und auch für Angehörige nur schwer auszuhalten, die in solchen Fällen ebenfalls Unterstützung brauchen. Zudem agieren palliative Behandlungsteams in Bezug auf die Aushändigung und Verabreichung von Medikamenten zur Schmerzlinderung angesichts des Gesetzeslage auch oft  in rechtlichen Grenzbereichen, was die Arbeit erschwert und aus rechtlicher Sicht zu einem Balanceakt macht.

 

Besondere Rolle der Pflegekräfte in der palliativmedizinischen Versorgung

Pflegekräfte stehen in allen Versorgungsbereichen in weitaus engerem Kontakt zu Patienten und Angehörigen als behandelnde Ärzte. Pflegekräften in der Palliativversorgung (ebenso auf Intensivstationen) kommt hierbei eine ganz besondere Stellung zu.  Wenn in der medizinischen Betreuung von Patienten die Therapieziele  von kurativen auf palliative Maßnahmen geändert werden, sei zu beobachten, dass sich die Berufsgruppe der Ärzte zurückziehe und Pflegefachkräfte mehr Kompetenzraum bekämen.  Pflegefachkräfte in der Palliativversorgung wie auch in der Intensivmedizin benötigen daher nicht nur besondere Fachkompetenz, sondern auch Sozialkompetenz,  ethische Kompetenz und Selbstkompetenz, um ihr Tun und Handeln regelmäßig zu reflektieren. Denn die Einstellung der Pflegeperson sei eine wichtige Komponente, um eine patientenorientierte palliative Betreuung - auch auf Intensivstationen  - sicher zu stellen. Bei der Versorgung von Patienten im Endstadium einer Erkrankung müssen Pflegekräfte Strategien entwickeln, um damit umgehen zu können.  Die multidisziplinäre Zusammenarbeit im und mit dem Team sind hierbei zum Wohl des Patienten unverzichtbar.

 

Auch die Hightech-Medizin verbessere die Behandlungsmöglichkeiten in der Palliativ-Versorgung und damit die Lebensqualität der Patienten. Gleichzeitig verschiebe sich aber auch die Grenze bei der Behandlung und so wäre nicht immer ganz eindeutig, wo eine kurative Behandlung ende und eine palliative Behandlung beginne, so Experten. Daher sei es eine der größten Herausforderungen in der palliativmedizinischen Versorgung eine qualitativ hochwertige End-of-Life-Versorgung sowohl im ambulanten, wie auch im stationären Bereichen zu schaffen.  Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) setzt sich seit 25 Jahren für die Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich zum Wohle des Patienten und palliativmedizinischer Berufsgruppen ein. Die DGP ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft mit  5.800 Mitgliedern bestehend aus Ärzten, Pflegefachkräften und weiteren sozialen Berufsgruppen. 

 

Intensivmedizin zum Wohle des Patienten - Patientenwille ist für Therapieentscheidung maßgeblich

Im Jahr 2017 verstarben in Deutschland von insgesamt rund 932.000 Menschen 427.917 Patienten in Kliniken -  jeder achte Patient auf einer Intensivstation.  Intensivmedizin beinhaltet die Erkennung und Behandlung von akut kritischen Krankheitszuständen, beispielsweise nach einem schweren Unfall, Herzinfarkt, Schlaganfall, bei schweren Verbrennungen oder auch zur engmaschigen Überwachung nach größeren Operationen. Auf Intensivstationen werden Patienten jeden Alters behandelt, sofern die Erkrankung oder der Zustand eine besonders intensive Überwachung oder Behandlung erfordert.  Fachärzte für Anästhesiologie arbeiten hierbei eng mit Ärzten anderer Fachrichtungen, wie z. B. Neurochirurgie, Neurologie, Kardiologie und speziell ausgebildetem Pflegepersonal und Therapeuten zusammen. Das interdisziplinäre Team  ist dabei stets in engem Kontakt mit dem Patienten und auch Angehörigen. Therapien werden besprochen, überprüft und ständig optimiert, um Schmerzen zu lindern und den kritischen Zustand des Patienten schnellstmöglich zu verbessern.  Auf Intensivstationen steht für jeden Patienten deutlich mehr Personal zur Verfügung als auf normalen Stationen. Angehörige werden eingebunden und sind gern gesehen, da sie nachweislich dabei helfen können, den Genesungsprozess des Patienten zu beschleunigen.

Grenzen der High-Tech-Geräte-Medizin

Im Unterschied zur Palliativmedizin, bei der die Linderung von Beschwerden einer fortgeschrittenen unheilbaren Erkrankung im Vordergrund steht, ist die Intensivmedizin darauf ausgerichtet, kritische und lebensbedrohliche Krankheitszustände eines Patienten unter Einsatz von  High-Tech-Gerätemedizin schnellstmöglich zu behandeln. Nicht immer gelingt das, so dass auch auf Intensivstationen viele Patienten versterben. Allerdings ist der Tod eines Patienten  auf Intensivstationen oft vorhersehbar, z. B. wenn durch langwierige aufwändige Behandlungen und trotz stetiger Optimierung der Therapie keine Verbesserung mehr zu erwarten ist. In solchen Fällen erfolgt dann keine kurative  - also eine auf Heilung ausgerichtete - Behandlung,  sondern nur noch eine auf Beschwerdelinderung ausgerichtete Behandlung. "In vielen Fällen gehe dem Sterben auf der Intensivstation ein Behandlungsverzicht voran – lebenserhaltende Maßnahmen werden dann bewusst beendet, begrenzt oder gar nicht erst begonnen", sagt Professor Dr. med. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St. Antonius- Hospital Eschweiler und Vorsitzender der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Notfall- und Intensivmedizin (DIVI) e.V . Die Entscheidungen über die Therapien in der Intensivmedizin erfolge neben der ärztlichen Indikationsstellung grundsätzlich auf Basis des Patientenwillens. Sofern der Patient selbst in der Lage ist seinen Willen zu äußern, könne er in Behandlungen einwilligen oder diese auch ablehnen. Kann der Patient das nicht mehr, kommt sofern vorhanden seine Patientenverfügung zum Tragen. Eine präzise formulierte Patientenverfügung, die den Patientenwillen für oder gegen Behandlungsmaßnahmen in bestimmten Situationen präzise abbilde, sei für das Behandlungsteam extrem wichtig, um eine  Entscheidung im Sinne und zum Wohle des Patienten treffen zu können. Selbst wenn eine Patientenverfügung nicht alle möglichen Behandlungsfälle und intensivmedizinischen Szenarien abdecken könne, sei sie eine wichtige Grundlage bei der Ermittlung des Patientenwillens, so Janssens. Bei der Erstellung einer Patientenverfügung rät er daher auch zu einer fachkundigen Beratung und von vorgefertigten Formularen insbesondere aus dem Internet ab. Diese stellen nach auch seiner Ansicht nach keine ausreichende Sicherheit dar, weil sie häufig unkonkret gehalten und nur durch das Ankreuzen der möglichen Ereignisse auszufüllen sind. Hier bestehe die Gefahr, dass dem Patienten nicht alle Konsequenzen seines Willens bewusst sind. Prof. Dr. med. Uwe Janssens ist seit 2008  Sprecher der Sektion Ethik der DIVI, in der er sich unter anderem auch mit Fragen der Übertherapie und den Grenzen bei Einsatz moderner intensivmedizinischer Mittel zum Wohl der Patienten befasst. Die DIVI ist eine interdisziplinäre Fachgesellschaft, die sich seit 40 Jahren dem praktischen und wissenschaftlichen Fortschritt der Intensiv- und Notfallmedizin widmet. Ziel der DIVI ist es, Wissenschaft, Praxis und Forschung in Bezug auf die Intensiv- und Notfallmedizin zu fördern und Politik und Öffentlichkeit auf Missstände, Probleme und Versorgungslücken in der Notfall- und Intensivmedizin und die Belange aller in diesem Bereich tätigen Berufsgruppen aufmerksam zu machen.

Quellen: statistisches Bundesamt, dpg, divi, healthcare-in europe, anästhesisten im netz, springer-medizin

 

04.11.2019

Weltärztebund lehnt ärztlich assistierte Suizidbeihilfe ab

Weltärtzebund (WMA) spricht sich gegen Sterbehilfe durch Ärzte aus

Bundesverfassungsgericht könnte bald Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe kippen

 

Auf seiner Jahrestagung in Tiflis hat der  Weltärztebund (World Medical Association, WMA) seine Haltung zum ärztlich unterstützten Suizid noch einmal klar verdeutlicht. Nach einem intensiven Beratungsprozess mit Ärzten auf der ganzen Welt verabschiedete der Bund  eine überarbeitete Stellungnahme  zur Sterbehilfe und zum ärztlich assistierten Suizid. Darin heißt es u.a.: Ärzte dürften nicht dazu gezwungen werden, Patienten bei der Selbsttötung zu unterstützen oder "Euthanasie" zu betreiben. Die WMA bekräftige damit ihr Bekenntnis zu den Grundsätzen der ethischen Medizin und ärztlichen Handelns. In der überarbeiteten Fassung der Deklaration gelte lt. WMA als Sterbehilfe, wenn ein Arzt absichtlich eine tödliche Substanz verabreiche oder auf Wunsch des Patienten eine Maßnahme durchführe, um dessen  Tod herbeizuführen. Unter ärztlich assistierte Suizidbeihilfe falle auch, wenn ein Arzt auf Wunsch eines Patienten sein eigenes Leben zu beenden, Medikamente verschreibe oder dem Patienten mit der Absicht zur Verfügung stellt, dessen Tod dadurch herbeizuführen. Unethisch handle ein Arzt laut Deklaration der WMA hingegen nicht,  wenn dieser das Grundrecht des Patienten auf Ablehnung einer medizinischen Behandlung respektiere und diese unterlässt, selbst wenn die Unterlassung zum Tod des Patienten führe. Diese Meinung vertritt auch die Palliativmedizin, die kürzlich zu der Frage Stellung nahm (siehe Beitrag vom 22.10.2019),  inwieweit der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ( FVET) eines Patienten als Suizid und die medizinische Begleitung als Suizidbeihilfe zu bewerten sei.


Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender der WMA, sagte zur Deklaration: "Wir haben Konsultationskonferenzen mit allen Kontinenten der Welt abgehalten und sind der Ansicht, dass dieser überarbeitete Wortlaut den Ansichten der meisten Ärzte weltweit entspricht". Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, begrüßt  die Deklaration des Weltärztebunds. Ärzte wären nach seiner Ansicht grundsätzlich dem Leben verpflichtet. Es wäre wichtig, dass dies noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht wurde, so Reinhardt.

Der Weltärztebund ist ein Zusammenschluss nationaler Ärzteverbände und repräsentiert 112 nationale Berufsvereinigungen. Ziel des Weltärztebunds ist es, einen hohen ethischen Standard im Gesundheitswesen weltweit durchzusetzen sowie Ärzten  in Form von Beschlüssen, Deklarationen und Stellungnahmen ethische Leitlinien an die Hand zu geben. Zu den jährlichen Generalversammlungen auf denen auch in der Vergangenheit und  seit Gründung 1947 weittragende  Beschlüsse, Deklarationen und Stellungnahmen zu ethischen Grundsätzen in der Medizin verfasst wurden und regelmäßig verfasst werden, u.a. zu Menschenversuchen, Gentherapie, Organtransplantation, Schwangerschaftsabbruch oder auch Sterbehilfe, werden die Vertreter der nationalen Berufsvereinigungen sowie der assoziierten Mitglieder entsandt. Deutsches Mitglied im Weltärztebund ist die Bundesärztekammer in Berlin mit seinem amtierenden Präsidenten, dem Allgemeinmediziner Dr. Klaus Reinhardt.

 

WMA Vorsitzender Frank Montgomery strikt gegen Sterbehilfe 

Der ehemalige Präsident der Bundesärztekammer und heutiger Ehrenpräsident der BÄK, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, wurde auf der Vorstandssitzung des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA) im April 2019 in Santiago de Chile für zwei Jahre zum Vorsitzenden gewählt. Montgomery sprach sich seit jeher und vehement gegen aktive Sterbehilfe und auch eine Aufweichung des Verbots der geschäftsmäßigen Sterbehilfe aus. Wenn man ärztlich assistierten Suizid erlauben würde, führe das direkt zu einer "Tötung auf Verlangen", äußerte Montgomery im Mai dieses Jahres gegenüber dem Tagesspiegel. "Wenn wir Sterbehilfe als Ärzte betreiben sollten, müssten wir es qualitätsgesichert und nach allen Prinzipien der guten medizinischen Praxis machen." Sterbewilligen würde das Gift über einen Venenzugang injiziert. Wo wäre da dann noch der Unterschied zur Euthanasie, gibt der WMA-Vorsitzende zu bedenken, der seit Januar 2019 auch Präsident des Ständigen Ausschusses der Ärzte der Europäischen Union (CPME) ist. Der Begriff Euthanasie -  aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie  "schöner Tod" - wurde  in Deutschland stark durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägt, wo Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“  - ebenfalls als Euthanasie bezeichnet -  begangen wurden. Der dadurch negativ besetze Begriff findet regelmäßig Erwähnung in Sterbehilfedebatten, in Deutschland vorzugsweise von Gegnern der Sterbehilfe. In den Niederlanden - ebenso in Luxemburg und Belgien - ist unter bestimmten Bedingungen und strengen gesetzlichen Vorgaben aktive Sterbehilfe durch Ärzte mittels "Giftspritze" erlaubt. Diese Form der Sterbehilfe wird in den Niederlanden ohne negative Besetzung regulär als Euthanasie bezeichnet. In der Schweiz hingegen, ist diese aktive Form der Sterbehilfe verboten. Dort spricht man von Freitodbegleitung, die auf das Selbstbestimmungsrecht eines Patienten abzielt. Ärzten ist es im Unterschied zu Deutschland gestattet, Patienten ein Medikament zu verschreiben und es auch zu besorgen. Der Patient muss es dann allerdings selbst einnehmen. Freitodbegleitungen werden von Organisationen wie Dignitas und Exit organisiert. Die organisierte Freitodhilfe erfolge aber laut Aussagen der Organisationen auch dort nur unter bestimmten Voraussetzungen und gesetzlichen Vorgaben.

Bundesverfassungsgericht könnte bald das derzeitige Verbot zur Sterbehilfe kippen

Der Bundestag hatte sich 2015 für ein Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe ausgesprochen und dies im §217 des Strafgesetzbuches verankert. Einzelfallentscheidungen von Ärzten, die Hilfe zum Suizid leisten, ebenso wie Hilfen von Angehörigen eines todkranken Patienten, sind danach straffrei. Die nach wie vor verbotene geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung wird derzeit  vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt und das Urteil in wenigen Monaten mit Spannung erwartet. Dem Gericht liegen sechs Verfassungsbeschwerden vor, die sich unmittelbar gegen § 217 des Strafgesetzbuchs richten, der die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe stellt. Um "geschäftsmäßig" zu handeln, reiche es bereits, wenn man wiederholt anderen bei der Selbsttötung hilft. Eingereicht wurden die Beschwerden von Vereinen, die Suizidhilfe anbieten, aber auch von schwerkranken Patienten selbst, wie auch von Ärzten und Palliativmedizinern. Die beteiligten Ärzte stützen ihre Verfassungsbeschwerden auf eine Verletzung der Gewissens- und Berufsfreiheit und beanstanden, dass  § 217 StGB nicht hinreichend sicherstelle, dass auch die im Einzelfall geleistete ärztliche Suizidhilfe straffrei bleibe. Ebenfalls sei nach Ansicht der Ärzte nicht sicher zu beurteilen, ob § 217 StGB  straffreie Formen der Sterbehilfe erfasse, wie die indirekte Sterbehilfe ( z. B. Verabreichung  von starken Schmerzmedikamenten, die zum Tode führen können) ebenso wie die passive Sterbehilfe (Unterlassung oder Abbruch von lebensverlängernden Maßnahmen) und palliativmedizinische Maßnahmen. Hospiz- und Palliativmediziner, Palliativpflegedienste, die regelmäßig mit Sterbenden zu tun haben und ihnen z.B. durch Überlassung von Schmerzmedikamenten die Gelegenheit zur Selbsttötung geben, handeln so gesehen bereits  geschäftsmäßig. Nach Ansicht der beschwerdeführenden Ärzte verhindere § 217 StGB daher eine am Wohl des Patienten orientierte Behandlung.

Ungeachtet der geltenden Gesetzeslage emfpiehlt BIPAP, die persönliche Einstellung zur Sterbehilfe in einer Patientenverfügung  durchaus zu verankern. Dies kann im Zweifelsfall und bei besonders schwierigen  Entscheidungssituationen  helfen und dazu beitragen, dass Angehörige, Bevollmächtigte, Ärzte wie auch vom Gericht einberufene Betreuer leichter eine Entscheidung im Sinne des Patienten treffen können.  Dies setzt allerdings auch voraus, dass man in Kenntnis darüber ist,  was aus medizinischer Sicht überhaupt unter die aktive, passive, direkte oder indirekte Sterbehilfe fällt und welche strafrechtlichen Konsequenzen sich für jede einzelne Form nach aktueller Rechtsprechung und derzeit geltendem Gesetz für behandelnde Ärzte, Bevollmächtigte oder Angehörige daraus ergeben könnten. Eine pauschale Aussage, wie "Ich bin für Sterbehilfe"  wäre an dieser Stelle zu kurz gegriffen und zu wenig differenziert und würde schnell vermuten lassen, dass der Verfasser sich nicht hinreichend mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Insoweit sollten vom Gesetzgeber empfohlene  fachkundige" Beratungen für die Erstellung von Patientenverfügungen auch diesen Bereich detailliert umfassen. Eine kurze Übersicht über die aktuellen gesetzlichen Regelungen zur Sterbehilfe in Deutschland und anderen europäischen Ländern gibt der Menüpunkt  Sterbehilferegelungen in Europa .

Quellen: www.wma.net; Bundesärztekammer, www.tagesspiegel.de; www.spiegel.de; www.tagesschau.de;

 

22.10.2019

Palliativmedizin:

Darf sich ein Patient zu Tode hungern und ist die medizinische Begleitung des "Sterbefastens" Suizidbeihilfe?

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin bezieht Stellung zur Frage, ob der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken Schwerstkranker als Suizid zu bewerten ist

Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken (FVET) - auch etwas irreführend als "Sterbefasten" bezeichnet  - sei nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) nicht als Suizid zu bewerten, sondern  Ausdruck des Patientenwillens, den es von allen Beteiligten - auch Ärzten und Angehörigen  - zu respektieren gelte. Das stellte die DGP in einem aktuellen Positionspapier klar, aber betont gleichzeitig, dass dies nur für Patienten mit lebensbedrohlichen oder lebenslimitierenden Erkrankungen zuträfe und "die Inhalte des Positionspapiers  nicht ohne weiteres auf andere Gruppen übertragbar sind, zum Beispiel auf alte, multimorbide oder gebrechliche Menschen ohne schwere Erkrankungen oder gesunde Menschen, die des Lebens müde sind", so DGP-Präsident  Lukas Radbruch.

In Patientenverfügungen kann frühzeitig und bereits zu gesunden Lebzeiten verankert werden, dass in besonders schweren Krankheitsfällen, keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr erfolgen sollen. Dazu zählt auch eine künstliche Ernährung, die nicht eingeleitet werden darf oder abgebrochen werden muss, wenn der Patient dies so verfügt hat. Es sei nicht geboten, einen schwerkranken noch entscheidungsfähigen Menschen, der durch Verzicht auf Essen und Trinken seinen Tod herbeiführen möchte, gegen seinen Willen zu ernähren. Eine Behandlung ohne Einwilligung würde den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllen. Im Umkehrschluss wäre es daher auch keine strafbare Handlung, den freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken von Palliativpatienten medizinisch zu begleiten und gegebenenfalls die erforderliche Basisversorgung zur Linderung von Durst-und Hungergefühlen zu leisten. Allerdings führe die Begleitung von Patienten, die bewusst auf Essen und auch auf Trinken verzichten, regelmäßig zu komplexen Problemen in der Hospiz- und Palliativversorgung. Dies beträfe den Umgang mit dem schwerstkranken Patienten selbst, aber auch Angehörige und die Behandlungsteams. Für unmittelbar Beteiligte sei eine solche Entscheidung oft nur schwer auszuhalten. Deshalb bräuchten vor allem auch Angehörige aber ebenso Behandlungsteams umfassende Unterstützung, so die DGP.  Fallkonferenzen oder ethische Fallbesprechungen könnten für Behandlungsteams hilfreich sein. Wichtig wären entsprechende Informationen für alle Beteiligten zum zeitlichen Verlauf, möglichen Folgesymptomen, Komplikationen und Behandlungsoptionen bei FVET. Angehörige und Behandlungsteams düften jedoch keinen Einfluss auf den Patienten ausüben, der die Entscheidung prinzipiell für sich ganz allein treffen muss. Das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ist HIER nachzulesen.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin