Für Beginner 

Patientenverfügung und Patientenvorsorge gehören nicht zu den Themen, die in jungen Jahren Priorität haben. Allerdings sind sie für jeden ab 18 Jahren wichtig. Denn Unfälle oder schwerwiegende Erkrankungen können Menschen in jedem Alter und jederzeit treffen.

Worst-Case

Wer den medizinischen Ernstfall einmal für sich gedanklich "durchspielt" und überlegt, was es bezogen auf den eigenen Lebensalltag (Familie, Partner, Kinder, Beruf, Projekte usw.)  bedeuten würde, wenn man von heute auf morgen ausfallen und sich über Wochen oder Monate nicht mehr mitteilen könnte, wird schnell feststellen, dass sich im Handumdrehen sowohl für einen selbst aber auch für die Angehörigen ein ganzer Berg Fragen und Probleme auftun würde. Daher sollte man das Thema - so unangenehm es auch ist - nicht auf die ganz lange Bank schieben oder davon ausgehen, dass  im Ernstfall Angehörige das dann schon "irgendwie" regeln werden. So einfach ist es nicht. Hier heißt es Verantwortung übernehmen und Vorsorge für sich und seine Angehörigen treffen, damit diese im Ernstfall überhaupt  entscheidungs- und handlungsfähig sind.

Patientenverfügung-

der letzte Wille? Jein!

Bei einer Patientenverfügung geht es  in erster Linie darum festzulegen,  was man als Patient in ganz bestimmten  Krankheitssituationen an medizinischen Maßnahmen zu unterlassen wünscht. Das betrifft nun aber keineswegs nur Situationen, die mit dem "Sterben dürfen" am Ende eines lang gelebten Lebens oder Leidens zu tun haben. Dies kann sich ebenso auf Unfälle, Krankheits- oder  Operationskomplikationen beziehen, in deren man Folge man vorübergehend oder im schlimmsten Fall dauerhaft  entscheidungsunfähig wird.

 

Wer trifft Behandlungs-entscheidungen, wenn man es selbst nicht (mehr) kann?

Als Patient hat man grundsätzlich das Recht, Behandlungsmaßnahmen abzulehnen. Das gilt sowohl für Krankheitssituationen mit guter wie auch mit schlechter Prognose und insbesondere für ein nahendes Lebensende. Wenn man sich aber ungeachtet der Prognose aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr mitteilen kann, müssen andere - in der Regel Angehörige  -  über sämtliche weitere Maßnahmen entscheiden -  vorausgesetzt, dass sie mittels Vollmacht dazu befugt wurden.  Aber selbst mit einer solchen rechtlichen Befugnis ist dies erfahrungsgemäß vor allem für bevollmächtigte Partner und engste Angehörige eine enorme Belastung. Hier ist es also nicht nur für einen selbst, sondern auch für das Umfeld  wichtig, das schon vorher in Kenntnis darüber sein sollte, was man in bestimmten Krankheitssituationen an medizinischen insbesondere lebensverlängernden Maßnahmen wünscht bzw. nicht wünscht. Dies betrifft auch die Entscheidung zur Entnahme von Organen im Fall eines Hirntods.

Warum medizinisch beraten lassen?

Eine Patientenverfügung ist grundsätzlich eine höchst individuelle Angelegenheit und nichts, was man auf die Schnelle und mittlerweile auch nicht mehr als medizinischer Laie ohne Hilfe erstellen sollte. Denn damit eine Patientenverfügung überhaupt rechtswirksam ist und  der verfügte Wille von behandelnden Ärzten berücksichtigt werden kann, müssen sowohl Krankheitssituationen wie auch Unterlassungswünsche so präzise wie möglich formuliert werden. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit  seinen letzten Grundsatzurteilen 2016/2017/2018 nochmals verdeutlicht und daher auch eine medizinische Beratung für die Erstellung angeraten.

 

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Es gibt Krankheitssituationen, die einen Menschen nur eine zeitlang aus dem Verkehr ziehen und ihn entscheidungsunfähig machen können. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn nach Unfällen oder Operationen unvorhergesehen eine längere intensiv-medizinische Behandlung erforderlich wird und man für eine zeitlang in ein künstliches Koma versetzt werden muss. Auch Schlaganfälle, die längst nicht nur Menschen im fortgeschrittenen Alter treffen, können zu längeren neurologischen Ausfällen führen und die Kommunikation mit dem Umfeld vorübergehend unmöglich machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In solchen Situationen geht man erst einmal davon aus,  dass der Patient erfolgreich therapiert wird und sich anschließend seiner Gesundheit wieder erfreuen kann. Aber zum einen kann der Genesungsprozess  auch von längerer Dauer sein und können sich im Krankheitsverlauf Komplikationen ergeben und zum anderen werden Behandlungen, Untersuchungen und unter Umständen auch Eingriffe in dieser Zeit erforderlich, die man vielleicht  (z. B. aus religiösen Gründen) ablehnen würde,

IRRTUM

Die meisten Menschen gehen irrtümlicherweise davon aus, das in Fällen, wo es ein Patient selbst nicht kann, automatisch der Partner oder Angehörige über alles weitere entscheiden dürfen. Dem ist jedoch nicht so! Allein der verwandtschaftliche Status macht noch niemanden automatisch zum Entscheidungs-berechtigten.  Damit sichergestellt wird, dass es sich um eine autorisierte Vertrauensperson des Patienten handelt,  bedarf es also auch für den Partner wie auch für  engste Familienangehörige grundsätzlich einer zuvor erteilten Vollmacht durch den Patienten.

Eine solche Vollmacht stellt dann u.a. sicher, dass der Patientenwille von der jeweiligen Vertrauensperson (Bevollmächtigtem) gegenüber den behandelnden Ärzten,   ggf. auch (anderen) Familienangehörigen und im Zweifelsfall auch vor Gericht durchgesetzt werden kann. Eine Vollmacht ist auch unerlässlich, um bspw. die Abwicklung mit Kostenträgern, Versicherungen, Behörden usw. im Namen und Auftrag des Patienten durchführen zu können.

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